Dienstag, 25. November 2014

Thank God – no EBOLA in Ghana!

Heute am Vormittag hat mein Handy geläutet, eine mir unbekannte Nummer hat versucht mich zu erreichen und ich habe abgehoben: “Hello” – und als “Antwort” einen comptergenerierten Anruf entgegengenommen, mit dem die Regierung in Ghana Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung leistet – für den Fall der Fälle. Als dann wenig später auch Silke Telefon geläutet hat mit der gleichen Botschaft ist mir aufgefallen, dass ich dieses Thema noch gar nie zum Thema gemacht habe – obwohl es ein Thema ist in Ghana, ohne ein Thema zu sein J! Verwirrt? Nicht nötig, es ist nicht so verwirrend, wie ich es hier beschrieben habe. Aber von Anfang an!

Vor unserer Abreise im Sommer war das Thema Ebola ständig in den Schlagzeilen und nicht wenige Menschen in unserem Freundes- und Bekanntenkreis haben uns auf die Gefahren dieser Krankheit hingewiesen. Und ich gebe zu, dass wir alle ein bisschen nervös geworden sind. Auch Elisabeth, unsere „Betreuerin“ im OKR, hat in einer letzten Besprechungen noch einmal die Parole ausgegeben: „Sobald Ebola nach Ghana kommt, seid ihr aus Ghana draußen!“ Ich gebe zu, dass das schon beruhigend war zu wissen, dass es im Ernstfall keine Diskussion geben wird, ob das Projekt abgebrochen wird oder nicht.

Als dann am Flughafen bei der Immigration eine Beamtin mit Mundschutz gestanden ist, hat das unserem Unwohlsein nicht wirklich Abhilfe geschaffen. Aber jetzt, nach 4 Monaten kann ich wirklich sagen: völlig umsonst! Gott sei Dank! Bis jetzt wurde das Land von der todbringenden Seuche verschont und wir alle hier hoffen und beten, dass das auch so bleibt. Insofern ist Ebola in Ghana kein Thema.

Trotzdem ist es aber so, dass ich immer wieder mit dem Thema konfrontiert werde. Neben der Telefonaktion z.B. mit regelmäßigen Infospots im Fernsehen (sogar am Kinderkanal wird kindgerechte Aufklärungsarbeit betrieben!), mit eigenen Einheiten in den Schulen (in Theos Klasse hängt z.B. ein Plakat mit Verhaltensregeln zur Vermeidung von Ebola und mit erkennbaren Symptomen der Krankheit) und auch sonst sind in vielen öffentlichen Gebäuden Infos zu sehen: im Krankenhaus sowieso, aber auch in Banken, öffentlichen Toiletten, in Restaurants, in der Shopping-Mall in Accra und im Headquarter der PCG. Insofern ist Ebola also doch ein Thema.

Die Menschen hier gehen auch genauso damit um. Als wir ziemlich am Anfang meiner Zeit von einem Begräbnis zum Auto gekommen sind, wurde wie selbstverständlich ein Hand-Sanitizer herumgereicht, und es gibt fast immer und überall die Möglichkeit, sich die Hände mit Seife unter fließendem Wasser zu waschen. Und natürlich wird dabei auch immer wieder ein bisschen spöttisch auf die Ebola-Gefahr hingewiesen. Aber es zeigt: Ebola ist real, die Gefahr eines Ausbruchs ist nicht von der Hand zu weisen. Und trotzdem geht das Leben weiter, muss weitergehen. Denn zu Tode gefürchtet, ist bekanntlich auch gestorben.

 

Donnerstag, 20. November 2014

Halbzeit



Papa und Mutti in Ghana oder "Hilfe, die Schwiegereltern kommen" ;-)



Papa in seinem Element!!
Ja, jetzt weiß ich eigentlich nicht genau, was ich fühlen soll – soll ich mich freuen, weil wir in 14 Wochen schon wieder nach Hause kommen, unsere Freunde und die Familie wiedersehen? Oder soll ich traurig sein, weil die ersten 14 Wochen wie im Flug vergangen sind und uns nur mehr so wenig Zeit übrig bleibt? Es ist wohl ein bisschen von beidem! Und wahrscheinlich wird am Tag unserer Abreise ein lachendes und ein weinendes Auge zu sehen sein…

Fischmarkt Kpong
Es ist viel passiert, seit ich das letzte Mal geschrieben habe. Meine Eltern waren für 10 Tage bei uns und haben Abwechslung in unseren Lebensalltag gebracht. Am 10. November sind Silke und ich mit dem Trotro nach Accra gefahren. Mit Umsteigen! Das war schon ziemlich aufregend, aber jetzt wissen wir auch, wie diese Challenge funktioniert – das heißt, wir kommen ohne fremde Hilfe zur Shopping-Mall J! In der Mall haben wir uns mit Sylvester getroffen, dem Driver von Samuel Odjelua, der zu der Zeit gerade auf Besuch in Österreich gewesen ist und uns sein Auto überlassen hat, um meine Eltern vom Flughafen abzuholen. In der Mall die große Überraschung: alles war weihnachtlich dekoriert und es gibt Christbäume zu kaufen!! Ok, nur aus Plastik, aber dennoch: ein bisschen Grün für den Weihnachtsabend. Wir haben schnell beschlossen bei unserem nächsten Besuch einen solchen Plastik-Halleluja-Besen zu erstehen. Wenig später sind wir dann am Flughafen gewesen und haben tatsächlich meine Eltern in die Arme schließen können. Die ganze Familie hat sich schon irrsinnig auf Oma und Opa gefreut und die Kinder sind auch bis kurz vor Mitternacht aufgeblieben, um die Großeltern in Odumase willkommen zu heißen. Ich brauch wohl nicht extra zu erwähnen, dass der nächste Tag von uns schulfrei gegeben worden ist ;-).

Lisbeth, Kerstin, Dina und Schulfreundinnen
Die Woche war affig heiß und vor allem extrem schwül. Deshalb haben wir nach Rücksprache mit meinen Eltern das Programm ein bisschen reduziert und z.B. die Boti Falls gestrichen. Aber natürlich waren wir am Markt, mit dem Trotro in Somanja in unserem Supermarkt und – wie könnte es anders sein – in der Kirche. Wir haben am Sonntag den Hauptgottesdienst besucht und meine Eltern sind auch gleich vorgestellt worden. Überhaupt sind sie von allen Seiten extrem herzlich empfangen worden. Da könnten wir uns in Österreich schon eine gehörige Scheibe abschneiden. Und am Abend war es dann soweit: ich habe beim Gottesdienst in der Krobo-Girls-Presbyterian Senior High meine erste Predigt in Ghana gehalten – und das gleich vor etwa 2000 Menschen. Ich war nervös wie vor 17 Jahren, als ich das erste Mal in meinem Leben auf eine Kanzel geklettert bin. Aber ich glaube, ich hab meine Sache ganz gut gemacht. Und ich hab die Gelegenheit genutzt, auch gleich zu sagen, was ich von dem ständigen Bestrafen und Schlagen in der Schule halte.



Aber jetzt habe ich eines der beeindruckensten Ereignisse fast vergessen! Am Mittwoch letzte Woche ganz zeitig in der Früh klopft es an unserer Türe und der Mann von Joyce, einer der Sekretärinnen steht davor: Joyce hat in der Nacht ihr Baby bekommen, das sechste Kind und der zweite Bub. Wir haben uns total mitgefreut, weil wir wirklich in den letzten Wochen sehr mitgewartet haben. Und wir durften am Donnerstag auf Besuch kommen und uns den neuen Erdenbürger anschauen. Es ist schon immer wieder ein Wunder! So ein kleines Würmchen und trotzdem alles dran. Besonders fasziniert war ich von den Haaren (schwarz gelockt, was sonst! Und gaaanz weich und flaumig) und der Hautfarbe. Der junge Mann ist nämlich ganz hell! Wie ich gelernt habe verändert sich die Farbe innerhalb der ersten 3 Monate erst. Nachdem sein Papa und seine Mama  ganz schwarz sind nehme ich an, dass auch er noch ordentlich nachdunkeln wird. Wie der Bub heißt? Keine Ahnung! Das wird erst in diesen Tagen bei der „Name-Giving-Ceremony“ bekannt gegeben. Solange bleibt die Familie mit dem Kind allerdings auch in den eigenen vier Wänden, erst dann wird das neue Kind quasi überall mit hingenommen.

Fischerfamilie bei der Arbeit
Unsere "Luxuskutsche"
Den Abschluss der Zeit mit meinen Eltern wollten wir wieder in Big Ada verbringen, damit sie nicht nur Oduamse Krobo gesehen haben. Samuel Lawerteh, der Pfarrer von Big Ada, hat sich wieder um alles gekümmert. Wir haben das Guesthouse bekommen (ohne etwas bezahlen zu müssen), er hat für uns die Fahrt am Volta-River organisiert (ohne Geld dafür zu nehmen), sich den ganzen Tag für uns Zeit genommen und uns auch wieder mit Essen versorgt. Ich gebe zu, dass ich Samuel vom ersten Moment an sehr sympathisch gefunden habe, schon Anfang September, als ich ihn kurz in Oduamse kennengelernt habe. Ein freundlicher, lebenslustiger, agiler Mann mit einer tollen Familie. Eine seiner Töchter, Dina, geht seit letzter Woche auch auf die Krobo-Girls. Es ist ihre erste Internatsschule, und als wir am Sonntag dort waren zum Gottesdienst, haben wir schon gemerkt, dass es ihr gar nicht gut geht. Sie hat uns zwar tapfer angelächelt, aber ihre Augen haben etwas ganz anderes erzählt. Kein Wunder, wenn ich daran denke, dass das junge Mädchen in eine Schule geht, in der ihre Matratze nur mehr am Boden Platz gefunden hat (und natürlich ist es verboten, tagsüber im Bett zu liegen!) und in der man für alles und jedes bestraft wird. Vor allem die älteren Schülerinnen machen sich einen Spaß daraus, die neuen nach Lust und Laune zu quälen – nur, weil sie halt jetzt älter sind. Wen wundert es also, dass Dina krank geworden ist, eine ordentliche Portion Heimweh mit ein bisschen Fieber. Also hat uns Samuel gebeten, sie mitzunehmen auf unserer Fahrt nach Big Ada, was wir gerne gemacht haben. Sie hat sich zuhause natürlich sofort erholt und ich bin gespannt, wie es ihr ergehen wird, wenn sie am Samstag wieder in die Schule zurückgebracht wird.

Gestern war es dann soweit und wir mussten Oma und Opa wieder zum Flughafen bringen. Für uns war es wirklich eine wunderbare Zeit und ich denke, dass auch meine Eltern mit einem ganzen Haufen neuer Eindrücke und Erfahrungen die Heimreise angetreten haben.
Samuel, Mammli, Lili, Theo, Evi, Hubert, Silke, Dina, Markus, Samuels Frau und Kerstin


Montag, 3. November 2014

Festival in Odumase




Eine ganze Woche lang Festival im Kroboland - das NGMAYEM-Festival. Wir waren schon ein bisschen besorgt, was da so auf uns zukommen mag, vor allem, weil  ja auch andere Veranstaltungen ganz anders abgelaufen sind, als wir uns das erwartet hatten – denkt nur an die Gospel-Night! Aber eines gleich vorweg: die Sorgen waren unbegründet! Auch wenn wir wahrscheinlich nicht alles mitbekommen haben, was das Festival zu bieten gehabt hätte, das, was wir miterleben durften, war wirklich toll. Schnell haben wir uns von der ausgelassenen Stimmung in dieser Woche anstecken lassen.

Preisträgerinnen von diesem und anderen Jahren
Brigade der Krobo Girls Presbyt Senior High
Am Montag sind wir beim Rathaus Zeugen des „Perfect Woman Day“ geworden. Jedes Jahr werden hier Frauen ausgezeichnet, die ein Vorbild sein sollen für andere. Was sich – soweit ich das mitbekommen habe – vor allem auch darin äußert, dass jene Frauen nicht mit ihrer Hochzeit aufgehört haben, als eigenständige Persönlichkeiten zu existieren. Die Festrednerin hat in ihrer Ansprache darauf hingewiesen, wie wichtig die Rolle der Frauen für eine Gesellschaft ist. Vor allem in einer doch sehr patriarchalen Gesellschaft wie die ghanaische nun mal ist. Die Rollenbilder sind hier schon noch sehr extrem ausgeprägt. Wenn meine Mädchen in ihrer Schule erzählen, dass ich bei uns  sehr oft koche, dann sind ihre Mitschülerinnen regelmäßig ganz aus dem Häuschen. Und im Auto sitze selbstverständlich IMMER ich als der Mann vorne neben dem Fahrer. Als wir das am Beginn anders machen wollten, weil Silke schnell schlecht wird, wenn sie hinten sitzen muss, wurde uns ganz klar gesagt, dass der Platz vorne der meine ist. Wenn ich dann noch an die Zwangsverheiratung  der entführten Mädchen in Nigeria denke oder die Hinrichtung einer Frau in Saudi-Arabien, die einen Mann in Notwehr getötet hatte, der sie vergewaltigen wollte, dann kann ich  der Festrednerin nur zustimmen: Ja und Amen! Eine Gesellschaft, in der Frauen nichts zu sagen haben, ist lieblos, kriegerisch und gewaltsam! Wobei: am Beginn der Veranstaltung haben die Brigaden der diversen Mädchenschulen am Platz exerziert, bewaffnet mit Holzgewehren. Drill bis zum Exzess, bzw. bis ein Mädchen in der Mittagshitze kollabiert ist. Schon wirklich eine andere Welt…

Am Mittwoch sind der traditionelle König und sein Hofstaat plus Anhänger zu den Gräbern der Ahnen gepilgert. Wir haben leider erst die Rückkehr zum Rathaus mitbekommen. Aber auch das Spektakel dann war noch ziemlich beeindruckend. Wie verrückt wurde herumgeschossen (Gott sei Dank nur mit Platzpatronen), die Männer haben zu wilden Trommelrhythmen getanzt, aber auch viele Frauen haben sich ihnen angeschlossen. Wir waren fasziniert von der Farbenpracht der Gewänder und von einem wunderschönen Gegensatz: ein König in alten Gewändern und altertümlichen Riten, der sein riesiges Tablet-Handy in Händen hält.


Bildunterschrift hinzufügen
Musik für Mama Plafono und Theo

Tolle Gewänder und lustige Instrumente
Nene Sakite II - Konor of Manya Krobo





Theo und Kerstin waren begehrte Foto-Objekte!
Am Donnerstag haben wir uns auf die Reise gemacht. Etwa eine halbe Autostunde entfernt erhebt sich im Südosten ein Hügel. Über diesen „Berg“ sind vor vielen Jahren die Vorfahren der Bewohner aus Odumase ins Tal gekommen. Grund genug, dass jedes Jahr das ganze Tal auf den Beinen ist, um den Berg zu bezwingen und den Blick über das flache Umland zu genießen. Wir waren sehr früh dran, um der Hitze zu entkommen. Das ist nicht wirklich gelungen ;-) Leider waren wir so früh dran, dass noch nicht wirklich viel los gewesen ist. Erst als wir uns nach der Wanderung und dem wirklich beeindruckenden Rundblick wieder auf den Heimweg gemacht haben sind mehr und mehr Menschen auf das Gelände geströmt. Was mich sehr fasziniert hat, war, dass als wir angekommen sind, die Leute gerade dabei waren ihre Stände aufzubauen und die Wiese zu mähen. Anscheinend kommt hier niemand auf die Idee, solche Dinge schon am Vortag zu erledigen.  Die Veranstaltungen wirkten prinzipiell immer sehr improvisiert. Wir hatte öfters einmal das Gefühl, als seien die Menschen überrascht, dass das jetzt stattfindet.

Kerstin, Lili, Felix, Theo, Markus und Silke


Trommelmusik - einmal mobil!


Abschluss und Höhepunkt des Festivals war dann definitiv am Freitag. Am späten Vormittag sind der Hauptkönig des Krobo-Landes und seine Unterkönige samt ihrem Gefolge vom Rathaus zum hiesigen Park – ja, was – getragen worden. Mit viel Tamtam wurden sie in Sänften, welche natürlich von den Trägern am Kopf getragen worden sind, durch die jubelnde Menge getragen, beschirmt von riesigen Sonnenschirmen, welche ständig gedreht werden, um dem Herrscher Luft zukommen zu lassen.   Am Parkgelände waren einige tausende Menschen versammelt und es sind die traditionellen Könige mit den Vertreter/-innen der realen Macht zusammen getroffen. Besonders beeindruckt hat mich die Funktion des Linguisten, also jener Person, die im Namen des Königs spricht. Hier nennt man ihn Okyeame und man kann ihn immer leicht am silbernen oder goldenen Stab erkennen. Nach den Begrüßungsritualen und den Gebeten eines christlichen Pfarrers, eines muslimischen Iman und einer Gruppe der traditionellen Religion, sind dann die Politiker, oder genau gesagt eine Politikerin zu Wort gekommen, ihre Zeichens Ministerin in Ghana, die über die Probleme und Chancen des Krobo-Landes gesprochen hat.


Nene Sakite II
Richtig - lauter Linguisten, der mit dem Micro ist der vom Hauptkönig






Es war ein tolles Spektakel, sehr viel traditionelles Afrika, aber nicht als Touristenattraktion (auch wenn so viele Weiße in der Stadt waren wie sonst nie!), sondern wirklich gelebte Tradition. Und auch wenn uns vieles unverständlich und fremd geblieben ist – es war eine tolle Erfahrung, für die ich sehr, sehr dankbar bin.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Theos erster Schultag!

 Eigentlich haben wir ja gedacht, dass Theo in Ghana nur in die Mama-Schule geht. Aber nach knapp 2 Monaten haben wir gemeinsam beschlossen, dass er zusätzlich in die Presbyterian Primaryschool gleich bei uns ums Eck gehen darf. Wir dachten an einem Tag pro Woche, aber die Frau Direktor hatte eine bessere Idee. Theo geht jetzt jeden Tag von 8-10 Uhr in die ganz richtige Ghana-Volksschule, um Englisch zu lernen und um noch mehr Freunde zu finden, und im Anschluss geht es dann in der Mama-Schule zuhause weiter.

Seit gestern Abend war unser Sohn ganz aufgeregt. Ohne Murren ist er ins Bett gegangen, und ab dem Aufstehen hat er in einer Tour geredet, sich ohne Aufforderung angezogen und seine Zähne geputzt – und war dann bereit für seinen ersten Schultag!

Morgenappell
Um 8 Uhr beginnt die Schule mit einem Morgenappell. Hier hat die Direktorin Theo den anderen Schulkindern vorgestellt und gesagt, dass er jetzt einer von ihnen ist, verbunden mit der Aufforderung, ihm nicht die ganze Zeit nachzulaufen. Was leider nicht wirklich funktioniert hat, aber das kann ja noch werden. In der Pause war Theo die ganze Zeit von einer riesigen Horde Kinder umgeben, die ihn alle berühren, seine Haut und Haare fühlen und seine Freunde sein wollen. Ich bin sehr gespannt, wie Theo nach diesem halben Jahr damit umgehen kann, ein ganz normaler Bub wie alle anderen zu sein J!

Nach dem Appell ist Theo mit seiner Lehrerin in seine Klasse gegangen. Es sind 30 Kinder in der Klasse, Unterrichtssprache ist Englisch. Ich darf die ersten Tage noch mit ihm dort bleiben, um ihm ein bisschen Sicherheit zu geben und ihm die Aufgaben zu übersetzen. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Inhalte wegen der auch für die ghanaischen Kinder ungewohnten Sprache noch nicht allzu weit fortgeschritten. Das gibt Theo viel Sicherheit und macht es ihm möglich, dem Unterricht auch einigermaßen zu folgen. Ich bin mir sicher, dass er ganz schnell einiges an Englisch aufschnappen, verstehen und sprechen wird.

Die Klasse ist einfach, die Tischchen der Kinder großteils baufällig, im hinteren Bereich der Klasse liegen Holzplatten herum, aus denen Nägel herausschauen. Und um die Tafel zu löschen, haben sich zwei Burschen schnell ihren Tisch nach vorne gezogen, um auch den oberen Bereich der Tafel zu erwischen. Die Kinder haben Hefte, für jedes Fach eines, und es gibt Schulbücher, die sie zu zweit verwenden können. Theos gut gefülltes Federpenal hat für große Augen gesorgt, die meisten Kinder besitzen einen Bleistift – und sonst nix.  

Theo und seine Lehrerin
Die Lehrerin hat KEIN Rohrstaberl, um die Kinder zu bestrafen. Eine echte Ausnahme in Ghana. Ich hatte überhaupt den Eindruck, dass sie eine echte Pädagogin ist, die versucht, die Inhalte den Kindern mit viel Freude und Spiel zu vermitteln. Ein echter Haupttreffer!

Die erste Einheit dauert von 8-10 Uhr, ohne Pause! Dafür ist dann aber eine richtig lange Unterbrechung, und natürlich wollte Theo auch hier noch bleiben. Sofort haben die Kinder, die bei uns in der Umgebung wohnen und ihn schon kennen, sich seiner angenommen und ihn, so gut wie möglich, vor den „Übergriffen“ der Meute bewahrt. Nach 20 Minuten war es unserem Sohn dann aber doch genug und wir sind die paar Schritte nach Hause gegangen, auch hier noch immer eskortiert  von einer Traube Kinder.  So ist ein aufregender und erfolgreicher erster Schultag zu Ende gegangen und Theo freut sich schon wieder auf morgen!

Für alle Schulkinder gibt es eine Vielzahl an ghanaischen Speisen, aber nur gegen Bezahlung!

Montag, 20. Oktober 2014

We proudly present Mama Osofo Silke!

Es ist ein wenig ruhiger geworden in letzter Zeit. Also nicht im Ort selbst, noch immer gibt es fast den ganzen Tag und die halbe Nacht von irgendwo her Musikbeschallung. Aber sonst hat sich eine gewisse Routine in unser Leben eingeschlichen und gibt unserem Alltag einen guten Rhythmus.

Traditionelle Trommeln vor dem Haus
Local Leaders
Unterdessen habe ich schon alles gesehen, was es im kirchlichen Leben so alles zu sehen gibt. Diverse Gottesdienste zu verschiedenen Anlässen, eine Trauung, Taufen und Konfirmationen – und jetzt am Samstag auch das erste Begräbnis. 3 Särge waren in der Kirche aufgebahrt, einer der Verstorbenen war der Vater eines Pfarrers, der so wie wir im Presbytery wohnt. Und er hat mich eingeladen, beim Begräbnis des Vaters dabei zu sein. Nach dem Gottesdienst in der Kirche, der etwa 2 Stunden gedauert hat und in dem neben den Lebensläufen der Verstorbenen auch eine ausführliche Predigt des Ortspfarrers zu Psalm 23 Platz gehabt hat, sind die Särge vor der Kirche auf verschiedene Pickups verladen worden und – wie könnte es sonst sein – unter Trommeln und Trompetenmusik zu den diversen Bestattungsorten gebracht worden. Der Vater meines Kollegen ist im Garten seines Hauses beigesetzt worden. Leider sind wir erst zu den abschließenden Worten des Pfarrers gekommen, weil mein Chauffeur sich verfahren hat. Der Verstorbene war eine lokale Größe, einer der „local leaders“, und so waren vor dem Haus verschiedene „Partyzelte“ aufgebaut, um den Gästen Platz und Schutz vor der Sonne zu bieten. 2 große Zelte waren für „Church“ reserviert, 2 Zelte für „Local leaders“, 2 Zelte für „Friends“ und 2 Zelte für die Familie. Es wurde getrommelt und ich habe das erste Mal seit der Synode im August wieder so viele Männer in ihrer traditionellen Tracht und mit den typischen Stäben als Zeichen ihrer Macht gesehen. Nach einem kurzen Gebet sind plötzlich alle Menschen im Zelt „Church“ aufgestanden und zu ihren Autos gegangen – schade, ich hätte gerne noch mehr mitbekommen. Aber wir sind nicht etwa heimgefahren, sondern zu einem nahe gelegenen Gasthaus, wo wir das Privileg hatten, als erstes etwas zu Essen zu bekommen. Nach und nach sind dann noch andere Gästegruppen nachgekommen.

Der obligatorische Kirchenchor - ohne ihn geht gar nix!


Der neue Clerk, seine Frau und die Mitglieder des Supausschusses
Am Sonntag ist der neue Clerk des Presbyteries in sein Amt eingeführt worden. Wir sind dazu in seine Gemeinde nach Dodowa gefahren, etwa auf halben Weg zwischen uns und der Hauptstadt Accra. Es ist schon eine schöne Fügung, dass ich während unseres Aufenthaltes hier in Ghana so viele besondere Gottesdienste miterleben darf: Synode, Erhebung von Sege zu einem eigenen District, Send-off-Service des alten Clerk, Amtseinführung des neuen Clerk…

Die Uniform wird übergeben :-)
Einige Tage vor diesem großen Gottesdienst hat Silke Besuch von einer kleinen Abordnung anderer Pfarrfrauen – Mama Osofos – bekommen. Und die haben ihr gesagt, dass sie ihr gerne die traditionelle Pfarrfrauentracht schenken wollen. Also wurden die Maße genommen und tatsächlich: am Sonntag ist Silke im Reigen der Pfarrfrauen in der Kirche gesessen. Ein zwar etwas ungewohnter Anblick, aber eine wunderschöne Geste der Gastfreundschaft! Denn so sind wir wieder ein Stückchen mehr aufgenommen worden in die Gemeinschaft der Christinnen und Christen in der PCG. Und nach dem Gottesdienst kennen wir jetzt auch schon einige Menschen recht gut und können uns unter das Volk mischen.  


Silke mit den anderen Mama Osofos vor dem Service
Ghanaer liebe Uniformen - auch für die Pfarrfrauen!

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Boti Waterfalls – wilde Romantik





Osofo Stephen und Osofo Markus
Eines der wichtigsten Ausflugsziele unserer Region ist, wie wir sehr bald gehört haben, der Boti Wasserfall. Nachdem am Montag ein Feiertag gewesen ist, haben wir die Chance beim Schopf gepackt und uns mit Stephen, unserem „Betreuungspfarrer“ vor Ort, auf den Weg gemacht.
Kerstin probiert die Naturtrommel aus

Nach ungefähr einer Autostunde, die uns großteils über rote Pisten quer durch eine üppige Landschaft geführt hat (wir waren natürlich zu sechst im Auto und Theo ist mit mir vorne gesessen!) sind wir tatsächlich vor dem Schild gestanden: Welcome to Boti Waterfalls!

Durch den Dschungel
Schon beim Eingang war das Tosen des Wasserfalls zu hören, außerdem war im Reiseführer zu lesen, dass nur wenige Stufen zu überwinden sind, um das Naturspektakel zu bewundern. Auch Stephen versicherte uns, dass nur wenige Meter zu gehen seien. Entsprechend war unsere Ausrüstung: ein nettes Picknick im Rucksack und Sandalen bzw.  Converse an den Füßen. Ein Fehler, wie sich schnell herausgestellt hat. Denn für die 10 Cedi Eintritt bekommt man auch noch eine Führung zum Umbrella-Rock mitgeliefert, ein „Spaziergang von 40 Minuten“, wie uns versichert wurde. Nach 1 ½ Stunden in tropisch-feuchter Hitze durch den beeindruckenden Dschungel, der Besichtigung eines Felsunterstandes inklusive Naturtrommeln, und mit zittrigen Knien, weil wir über Stock und Stein steil bergab und dann wieder bergauf mussten, sind wir dann tatsächlich beim Felsen angekommen. Und die Anstrengung hat sich ausgezahlt: wir wurden mit einem wunderschönen Ausblick belohnt. Schade, dass es nicht mehr möglich ist, mit Leitern auf den Felsen zu kommen.
Tolle Aussicht vom Umbrella-Rock

Der Weg zurück zum Wasserfall ist der gleiche, den wir gekommen waren. Deshalb haben wir nach dem Stopp beim dreifachen Palmbaum beschlossen, uns ein Auto für den Weg zurück zu organisieren. Stephen ging voraus und wir folgten ihm vertrauensvoll. Er sollte doch wissen, wo wir mitten im nirgendwo ein Auto auftreiben können. Vor den Toren der hiesigen Volksschule haben wir ein übervolles Trotro vorbeibrausen sehen, außerdem haben mit uns noch 3 Personen auf ein Taxi gewartet. Und dann ist tatsächlich eines gekommen. Ein alter Opel Kadett Kombi, 10 ½ Personen (eine Frau war schwanger): kein Problem!! 3 Personen in der ersten Reihe, 4 in der zweiten Reihe und 3 Personen im Kofferraum. Und dann sind wir über einen besseren Feldweg getuckert bis wir endlich wieder festen Boden unter den Rädern hatten. Ein Abenteuer!

Der Boti-Wasserfall ist ein sehr netter Zwillings-Wasserfall, der sich etwa 35 Meter über eine Felsmauer in die Tiefe stürzt. Wirklich ein schöner Anblick und durch den Schatten und die durch die Wassergischt erfrischende Luft eine echte Erholung.

Im Anschluss haben wir noch unser Picknick gegessen, das restliche Brot den wartenden Kindern geschenkt und im Souvenirshop die ersten Mitbringsel erstanden. Ein schöner und lustiger Ausflug, an den wir sicher noch öfters zurückdenken werden.


Ein Blick ins Klassenzimmer